Gefragt, was die Malerei bedeute, antwortete ein Maler, 1% Inspiration und 99% Transpiration.

Meine Ansicht ist: 100% Inspiration-und wehe, wenn sie ausbleibt!

Gottvater Zeus hat 9 Töchter , Musen genannt . Die Göttinnen der Künste und Wissenschaften haben die Aufgabe, sich jeweils um einen Tätigkeitsbereich zu kümmern, z.B. Euterpe und Polyhymnia sind die Musen der Tonkunst, also der Musik und des Gesangs.

Ohne die Musen läuft nichts. Ohne ihre Gegenwart und ihre Zuwendung fehlt es dem Ausführenden an Inspiration. Nur durch ihren Kuß kommt die Inspiration.

Dies geschah bei mir zum ersten Mal im April 1971. In einer Zeitung sah ich ein kleines schwarz-weiß abgedrucktes Bild " Der Gruß " ( 1938 ) des belgischen Maler Paul Delvaux. 1965 soll sich das Original in einer Privatsammlung in New York befunden haben. Paul Delvaux starb im hohen Alter von über 90 Jahren vor ein paar Jahren.

Die Wirkung dieses Bildes auf mich war enorm. Hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt mit der Malerei überhaupt nichts im Sinn, kaufte ich mir unvermittelt am nächsten Tag eine Leinwand und Materialien für die Ölmalerei. Um die Technik kennenzulernen, holte ich mir ein Buch aus der Leihbibliothek. Im zarten Alter von 24 Jahren begann das Abenteuer Ölmalerei, das bis heute kein Ende gefunden hat-wenn auch mit erheblichen zeitlichen Unterbrechungen-.

Die anfangs entstandenen Bilder zeige ich allerdings nicht, denn zwar hatte mich meine Muse geküsst, sie muß dann aber wohl noch was anderes zu tun gehabt haben.

Es ist nicht selbstverständlich, dass derjenige, der malt, auch mit der Grafik zurechtkommt In der Malerei ist die Farbe, in der Grafik die Linie das bestimmende Element. Farbe benötigt Fläche, die Linie braucht sie nicht. Und deshalb ist es in der Regel nicht möglich ein Bild in Grafik oder eine Grafik in ein Bild umzusetzen. beim Malen erhält der Künstler Unterstützung durch die Farbe. und in der Grafik?

Was mir bei der grafischen Arbeit in Erinnerung bleibt ist, wie mühsam der Anfang war und wie ich an einen toten Punkt gekommen war. Und weil man in der Grafik -anders als beim Malen- nicht "ausweichen" kann, muss dieser tote Punkt überwunden werden, ansonsten ist man unweigerlich am Ende. Es gelang mir, diesen Punkt tatsächlich zu überwinden. Das Ergebnis zeigte sich in einer Federzeichnung (jetzt Privatbesitz).

Es wird sich mancher fragen, woran es liegt, daß er weder dichten, komponieren oder malen kann. Die Erklärung findet sich in einem schönen Gedicht von Friedrich von Schiller in " Die Teilung der Erde ".

Dietmar Philipp Krems

2004-10-20

Die Teilung der Erde

von Friedrich von Schiller

" Nehmt hin die Welt!" rief Zeus von seinen Höhen
Den Menschen zu." Nehmt, sie soll euer sein!
Euch schenk ich sie zum Erb und ewgen Lehen-
Doch teilt euch brüderlich darein! "

Da eilt', was Hände hat, sich einzurichten,
Es regte sich geschäftig jung und alt.
Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,
Der Junker birschte durch den Wald.

Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,
Der Abt wählt sich den edeln Firnewein,
Der König sperrt die Brücken und die Straßen
Und sprach: " Der Zehente ist mein "

Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen,
Naht der Poet, er kam aus weiter Fern-
Ach! da war überall nichts mehr zu sehen,
Und alles hatte seinen Herrn!

" Weh mir! So soll denn ich allein von allen
Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn? "
So ließ er laut der Klage Ruf erschallen
Und warf sich hin vor Jovis Thron.

" Wenn du im Land der Träume dich verweilet ",
Versetzt der Gott, " so hadre nicht mit mir.
Wo warst du denn, als man die Welt geteilet? "
" Ich war ", sprach der Poet, " bei dir.

Mein Auge hing an deinem Angesichte,
An deines Himmels Harmonie mein Ohr-
Verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte
Berauscht, das Irdische verlor! "

" Was tun ?" spricht Zeus; " die Welt ist weggegeben,
Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein.
Willst du in meinem Himmel mit mir leben-
So oft du kommst, er soll dir offen sein. "



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